Geländeentwicklung
Nutzungskonzept
Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks „Franz Stenzer“ entstand mit dem RAW-tempel e.V. seit 1999 ein soziokulturelles Zentrum, das überregionale und internationale Beachtung findet.
Die NutzerInnen „der ersten Stunde“ setzen sich aus AnwohnerInnen und Initiativen zusammen, die vornehmlich in Friedrichshain beheimatet waren. Ziel war und ist: durch die kulturelle Arbeit der NutzerInnen, in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft, ein gemeinsames soziokulturelles Projekt in der Revaler Straße 99 zu schaffen und zu entwickeln im Sinne einer „Stadtentwicklung von unten“.
In vier Gebäuden und dem ehemaligen Feuerwehr-Areal arbeiten seither ca. 65 Einzelprojekte mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Was mit einer dreijährigen Zwischennutzung begann, konnte sich in den Jahren verstetigen. Die ProtagonistInnen schafften es hauptsächlich durch Eigenleistung und ehrenamtliches Engagement mit teilweiser Unterstützung durch öffentliche Mittel und arbeitsmarktpolitische Instrumente die legal genutzten Gebäude und Flächen als Bestand zu sichern, auszubauen und so vorhandene günstige Raumressourcen für soziokulturelle Nutzungen vor Verfall und mutwilliger Zerstörung zu schützen. Dieses politisch immer wieder geforderte zivilgesellschaftliche Eigenengagement sucht seinesgleichen.
Die fünf einzelnen Gebäudebereiche des RAW-tempel erhielten durch Installation von Hausselbstverwaltungen eigene Identitäten mit inhaltlichen Schwerpunkten und eigenen Profilen, die es auszubauen und zu stärken gilt. Die ProjektpartnerInnen haben darüber hinaus mit dem Instrument des NutzerInnenbeirates die Möglichkeit, aktuelle Problemlagen und Veränderungen zeitnah zu bearbeiten und konsensual zu diskutieren.
Das ehrenamtliche Engagement wurde durch eine Verwaltung, die heute aus den Vereinsmitteln budgetiert wird, gestärkt. Dadurch konnten und können umfänglich Fördermittel und Spenden eingeworben und verwaltet werden.
Durch das Zusammenwirken von KünstlerInnen und PädagogInnen aus unterschiedlichen Bereichen entstand ein Synergieeffekt, der die Stärke des Vereins ausmacht. So gab und gibt es beispielhafte Projekte wie den Zirkus Zack, die in den bezirklichen Sozialraum hineinwirken. Tanz- und Theaterproduktionen, die hier erprobt werden, spielen mit dem Raum und können auf den Bühnen des Vereins präsentiert werden. Nicht selten werden solche Produktionen mit Live- Musik begleitet. Bühnenbilder entstehen von qualifizierten KünstlerInnen. Der RAW–tempel wurde zu einer Anlaufstelle einer internationalen Kunst- und Kulturszene. Gleichermaßen finden die Belange der Nachbarschaft ihren Rückhalt, wofür z. B. das Ambulatorium als Nachbarschaftszentrum vom RAW-tempel ausgebaut werden soll.
Die Zielgruppe der Gäste und TeilnehmerInnen für die kulturellen Angebote umfasst heute alle Generationen.
Der RAW-tempel verhalf und verhilft etlichen ExistenzgründerInnen zu bezahlbaren Produktionsflächen. Viele der EnthusiastInnen von einst haben sich heute selbständig gemacht. Und es darf nicht unbenannt bleiben, dass einige der Projekte so erfolgreich sind, dass sie heute expandieren müssen, weil die genutzten Flächen nicht mehr ausreichen. Vor dem Hintergrund können sich viele ProjektpartnerInnen die Bespielung weiterer Gebäude auf dem Gelände vorstellen.
Mit der Gestaltung der Außenflächen nach ökologischen Gesichtspunkten durch die Ökogruppe im Rahmen eines MAE- Programms diente das vom RAW-tempel genutzte und nahezu autofreie Areal in den vergangenen Jahren als Naherholungsgebiet, das von vielen AnwohnerInnen zum sonntäglichen Spaziergang genutzt wurde. Leider erkannten die neuen Eigentümer diesen für die NutzerInnen und vielen Menschen aus der Nachbarschaft bedeutsamen Erholungswert nicht an und ließen die Grünoase im Winter 2008/2009 neben weiteren Baumfällungen trotz Widerstand entfernen.
Bisher ist lediglich das Nutzungsverhältnis eines der fünf Gebäude, des Stoff- & Gerätelagers, so konkretisiert worden, dass sich daraus eine Investitionsförderung begründen ließ, während die übrigen vier Gebäudebereiche, sukzessive und mit kleinteiligen Maßnahmen instand gehalten und verbessert werden.
Mit der kleinteiligen Entwicklungsstrategie konnten in der Vergangenheit jedoch keine größeren Maßnahmen umgesetzt werden, wie der Einbau von neuen Heizsystemen oder die Wärmedämmung nebst Fenstererneuerung. Das Ziel und Bedürfnis des Vereins ist eine intensivere Wechselwirkung mit dem angrenzenden Kiez sowie die Stärkung und der Ausbau der überregionalen und internationalen Kontakte. Diesbezüglich wurden bereits, soweit notwendig, auf Vereinskosten qualifizierte Bauanträge erarbeitet, die zu unterschreiben und umzusetzen sind.
Deshalb streben die Akteure ein konkretisiertes Nutzungsverhältnis bzw. den Erwerb für das gesamte von ihnen genutzte Areal an. Dieses gilt als Voraussetzung für die langfristige und nachhaltige Zusammenarbeit mit weiteren Trägern und Institutionen, die insbesondere für Beratungsangebote gewonnen werden sollen.
Das enge Zusammenwirken von Kunst, Kultur und sozialen Angeboten bietet unter der Berücksichtigung der Verkehrslage des Geländes einen niederschwelligen Zugang zu sozialen und kulturellen Angeboten und schafft Nutzungsräume für ökonomisch schwächere Bevölkerungsteile aus dem Bezirk.
Entwicklungsperspektive
Aus dem baulichen Zustand resultiert, dass in den vergangenen Jahren in begrenztem Maße eine öffentliche Ausrichtung möglich war. Unter neuen Bedingungen werden die Angebote des Vereins und deren ProjektpartnerInnen intensiviert und einer noch vielschichtigeren Klientel zugute kommen.
Die oben erwähnte Zusammenarbeit mit weiteren Trägern und Institutionen soll gestärkt werden. Gleichermaßen erfahren der Veranstaltungsbereich des RAW- tempel sowie der Arbeits- & Beschäftigungsbereich eine Stärkung. In diesem Zusammenhang sei das ausdrückliche Ziel benannt, Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung in die Arbeitsprozesse zu integrieren.
Im Rahmen von sozialen und kulturellen Angeboten werden in besonderer Weise diejenigen für Kinder und Jugendliche sowie Bildungsangebote für alle Generationen ausgebaut.
Mit umfänglichen Sanierungsmaßnahmen wird ein ressourcenorientiertes Energiekonzept, das alle Gebäude umfasst, angestrebt.















